2010-01-03
Olympiakritik ist "moralisch verwerflich", meint Chefredaktuer des GAP Tagblatts (KV GAP)

Ist Olympiakritik moralisch verwerflich?

Auf den Einwand vom 02. Januar 2010 zum Thema NOlympia 2018 von Matthias Holzapfel hat der Kreisverband Garmisch-Partenkirchen folgenden Leserbrief geschrieben:

„Moralisch verwerflich" nennt Matthias Holzapfel in seinem Kommentar die Pläne von Olympia-Kritikern. Das ist seine Meinung, die er frei äußern darf. Ebenso frei und locker kann sich aber auch jedermann gegen Olympia äußern. Die geplante Großveranstaltung sei eine „Vision“ für eine „gesicherte Zukunft“ und „Lebensgrundlage“, so Holzapfel. Wir halten das für Propaganda. Faktisch ist Olympia ein sehr punktuelles Ereignis, das nachgewiesenermaßen sehr kostspielig ist und kaum langfristige Impulse für eine Region liefert (siehe Lillehammer und Co). Eine Begeisterung wie bei der Fußball WM 2006 mag ihre positiven Effekte haben, die sich zum Glück nicht in Euro und Cent beziffern lassen. Der passende Vergleich für Olympische Spiele wäre allerdings weniger „Vision“ sondern eher „Party“. Die meisten Partys verbreiten gute Stimmung und die wenigsten Partys sind umsonst. Im Fall Olympia müssten wir für die Party einen (weiteren) Kredit aufnehmen, unseren Garten planieren und Verträge unterschreiben, die sogar Münchens OB Christian Ude eine „Zumutung“ nennt. Wem das zu viel ist, der kann einen Brief an das IOC schreiben oder er kann die Pläne für die Party ändern (zum Beispiel Biathlon in Ruhpolding statt Oberammergau). Er kann aber auch die Party ersatzlos streichen. Das trägt nichts moralisch Verwerfliches in sich. Das erfordert lediglich eine ehrliche Abwägung des Für und Wider, bei dem sich eine wirklich freie Presse vor keinen Karren spannen lassen sollte. Und es erfordert eine Mehrheitsfindung, wie zum Beispiel mit einem Bürgerbegehren."

Veronika Jones und Korbinian Freier
Sprecher Kreisverband Garmisch-Partenkirchen Bündnis90/Die Grünen


Grundlage des Leserbriefs war der folgende Kommentar von Matthias Holzapfel, Chefredakteur des Garmisch-Partenkirchner Tagblatts:

 "Protest gegen Bewerbung - Moralisch verwerflich

Haben die Kritiker wirklich das Recht, sich gegen die
Olympia-Bewerbung zu stellen? Demokratisch sicher
– aber moralisch?
Für diese Region geht es bei der Bewerbung um mehr
als nur um die Austragung von sportlichen Wettbewerben
im Februar 2018. Es geht um die existenzielle
Frage: Wie soll sich die Region in den nächsten Jahren
entwickeln? Und wohin?
Die Olympia-Befürworter haben eine Vision vor Augen:
die Vision von begeisterndem Sport und begeisterten
Menschen wie zur Fußball-Weltmeisterschaft
2006, die Vision, dass die ganze Welt voller Interesse
auf die Region schaut, und so von neuen Perspektiven
für die Jugend, von moderner Infrastruktur, die
dauerhaft für alle erhalten bleibt. Kurzum: davon,
dass die Menschen in der Region durch Olympia eine
gesicherte Zukunft und Lebensgrundlage haben.
Es lässt sich trefflich darüber streiten, ob diese Vision
realistisch ist. Aber die Befürworter haben eine –
im Gegensatz zu den Kritikern. Sie lehnen diese Bewerbung
in Bausch und Bogen ab, ohne – wie so oft –
selbst konkrete Modelle für die Zukunft zu beschreiben.
Einfach lautstark „nein“ zu rufen und böse, oft
unrealistische Szenarien heraufzubeschwören, um
damit Angst und Schrecken zu verbreiten, ist denkbar
leichter, als ein durchdachtes „aber“ dahinterzusetzen
und Alternativen zu bieten. Die Alternativen
dann aber bitte konkreter als mit den abgedroschenen
Floskeln „nachhaltig“ und „naturverträglich“.
Solange die Parteien und Verbände keinen eigenen
Weg zur Entwicklung der Region aufzeigen, mögen
sie das demokratische Recht des Widerstandes haben
– das moralische haben sie nicht. "

(GAP Tagblatt, Nr. 1, 2./3. Januar 2010)




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